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Orientalischer Bauchtanz: Ursprung, Geschichte und Tanzstile

  • Bilgi Simsek
  • vor 4 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Orientalischer Bauchtanz ist für mich weit mehr als eine Abfolge von Bewegungen. Er verbindet Musik, Ausdruck, Eleganz, Temperament und Leidenschaft. Seit meiner Jugend begleitet mich diese Tanzkunst und ist inzwischen zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden.

Doch woher kommt orientalischer Bauchtanz eigentlich? Welche Tanzstile gibt es und wie haben sich Musik und Bauchtanz-Kostüme verändert? In diesem Beitrag möchte ich nicht nur die Geschichte des orientalischen Tanzes betrachten, sondern auch meine persönlichen Erfahrungen aus vielen Jahren auf der Bühne einbringen.

Woher kommt orientalischer Bauchtanz?

Über den Ursprung des Bauchtanzes gibt es zahlreiche Geschichten und Überlieferungen. Manchmal wird behauptet, er sei eine der ältesten Tanzformen überhaupt, habe seinen Ursprung in Indien oder sei ursprünglich als Fruchtbarkeits- oder Geburtstanz entstanden.

Solche Erzählungen sind interessant, historisch jedoch nicht eindeutig belegt. Deshalb sollte man vorsichtig damit sein, einen einzigen Ursprungsort oder eine bestimmte Entstehungsgeschichte als Tatsache darzustellen.

Besser dokumentiert ist, dass verschiedene soziale und improvisierte Tanztraditionen aus Nordafrika und dem Nahen Osten die Entwicklung dessen beeinflusst haben, was wir heute als orientalischen Tanz oder Bauchtanz kennen.

Besonders Ägypten spielte bei der Entwicklung des modernen Bühnenstils Raqs Sharqi eine bedeutende Rolle.

Vom traditionellen Tanz zur großen Bühne

Orientalischer Tanz war nicht immer nur eine Bühnenshow. Tanz gehörte und gehört in vielen Regionen zu Festen, Familienfeiern und gesellschaftlichen Zusammenkünften.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus auch eine professionelle Bühnenkunst. Besonders im 20. Jahrhundert trugen Theater, Film und professionelle Tanzensembles dazu bei, orientalische Tanzformen einem immer größeren Publikum bekannt zu machen.

Eine wichtige Rolle in der ägyptischen Tanzgeschichte spielte beispielsweise die berühmte Reda Troupe.

Ich hatte später selbst die Möglichkeit, in Berlin bei Dr. Mo Geddawi Unterricht zu nehmen. Er gehörte zu den frühen Tänzern und Mitbegründern der Reda Troupe. Bei ihm konnte ich meinen eigenen Tanzstil weiterentwickeln und perfektionieren.

Mein eigener Weg zum orientalischen Bauchtanz

Meine Liebe zum Tanz begann schon als Kind.

Mit etwa sieben Jahren fing ich in Ankara in der Türkei in der Schule mit türkischer Folklore an. Als Jugendliche lebte ich später in Berlin und wirkte mit ungefähr 16 Jahren bei einer Theateraufführung über das Osmanische Reich mit.

Mein Lehrer hatte mein Talent fürs Tanzen bemerkt und fragte mich, ob ich bei der Aufführung den orientalischen Tanzpart übernehmen könnte. Damit begann für mich ein ganz neuer Abschnitt.

Anschließend nahm ich Unterricht bei der Berliner Bauchtänzerin Sevda. Bei ihr lernte ich nicht nur Bewegungen und Schrittkombinationen, sondern vor allem Bühnenpräsenz, Eleganz und Anmut.

Später folgte meine Weiterbildung bei Dr. Mo Geddawi.

Seitdem hat mich der orientalische Tanz nicht mehr losgelassen.

Türkischer und arabischer Bauchtanz – meine Erfahrung

Durch meine türkischen und arabischen Wurzeln bin ich mit unterschiedlichen Musik- und Tanztraditionen verbunden.

Für mich haben türkischer und arabischer Bauchtanz jeweils einen eigenen Charakter.

Bei türkischer Musik erlebe ich häufig längere musikalische Passagen und wunderschöne Instrumentalsoli, beispielsweise mit dem Kanun. Mein türkischer Tanzstil kann dadurch ruhiger und zugleich sehr elegant wirken.

Arabische Musik empfinde ich bei vielen meiner Shows dagegen als sehr dynamisch und rhythmisch. Natürlich gibt es innerhalb beider Musikkulturen unzählige Unterschiede – deshalb lassen sich die Stile nicht mit einer einfachen Regel voneinander trennen.

Zu meinem Repertoire gehört außerdem türkischer Roman-Tanz im charakteristischen 9/8-Rhythmus.

Darüber hinaus arbeite ich mit unterschiedlichen Requisiten und Tanzformen, darunter Stocktanz, Schleiertanz, Fingerzimbeln, Isis Wings und Shamadan.

Musik ist für mich die Grundlage des Tanzes

Ich liebe Musik und höre praktisch jeden Tag Musik.

Wenn ich ein Musikstück für eine Show auswähle, lerne ich es sehr genau kennen. Ich möchte wissen, wann ein Rhythmus wechselt, wann ein musikalischer Akzent kommt und wann ein Instrument besonders hervortritt.

Dadurch kann ich meine Bewegungen genau auf die Musik abstimmen.

Für mich macht gerade diese Verbindung den Unterschied: Eine Tänzerin sollte nicht einfach Bewegungen ausführen, während im Hintergrund Musik läuft. Der Körper interpretiert die Musik.

Bei einer Veranstaltung wähle ich die Musik außerdem passend zum Publikum und zum Anlass aus.

Wenn mich beispielsweise eine türkische Familie bucht, verwende ich gerne türkische und traditionelle Stücke. Kommt eine Familie aus einer bestimmten Region, kann ich auch die Musikauswahl entsprechend anpassen.

Bei arabischen Veranstaltungen werden wiederum häufig bekannte arabische Klassiker gewünscht – darunter auch Musik von Umm Kulthum.

Bei einem überwiegend deutschen Publikum funktionieren meiner Erfahrung nach oft temperamentvolle und eingängige orientalische Stücke besonders gut.

Bauchtanz-Kostüme: Zwischen Tradition und moderner Mode

Auch Bauchtanz-Kostüme haben sich im Laufe der Jahre stark verändert.

Ich habe diese Entwicklung nicht nur als Tänzerin beobachtet, sondern beschäftige mich sehr intensiv mit Kostümen, weil ich inzwischen einen großen Teil meiner Bühnenkleidung selbst entwerfe und nähe.

Früher ließ ich meine Kostüme in der Türkei maßanfertigen. Unter anderem verbrachte ich zwei Wochen in Istanbul bei einer Schneiderin namens Bella.

Irgendwann stellte ich fest, dass sich der eigene Körper im Laufe der Jahre natürlich verändert. Man nimmt zu, nimmt ab – und ein maßgeschneidertes Kostüm passt irgendwann vielleicht nicht mehr so wie am ersten Tag.

Also begann ich selbst damit, Kostüme zu verändern.

Am Anfang ging dabei auch einiges schief. Ich nähte falsch, probierte aus und lernte aus meinen Fehlern. Mit der Zeit wurde ich immer sicherer, bis ich mich schließlich traute, komplette Bauchtanzkostüme selbst zu nähen.

Das Nähen und Designen habe ich mir selbst beigebracht. Heute entstehen meine Kostüme häufig spontan aus meinen eigenen Ideen. Dadurch entstehen individuelle Stücke, die zu mir und meinen Shows passen.

Auch bei Bauchtanz-Kostümen gibt es Mode. Mal waren sehr offene Kostüme beliebt, dann wiederum geschlossenere, kleidähnliche Formen. Aktuell beobachte ich wieder eine stärkere Rückkehr zu traditionelleren Elementen und beispielsweise mehr Fransen.

Wie bei anderer Mode verändern sich die Trends immer wieder.

Eine Show sollte zum Publikum passen

In vielen Jahren auf der Bühne habe ich gelernt, dass eine gute Show nicht einfach aus einem festen Programm bestehen sollte.

Ich berücksichtige den Anlass, die Gäste, ihren kulturellen Hintergrund und – wenn gewünscht – auch Farben oder das Motto einer Veranstaltung.

Bei einem Schwarz-Gold-Motto kann beispielsweise ein schwarz-goldenes Kostüm die gesamte Atmosphäre der Feier aufnehmen.

Auch Requisiten wähle ich entsprechend aus. Bei Henna-Abenden oder Geburtstagen kann beispielsweise ein Shamadan sehr schön wirken. Bei Hochzeiten können Isis Wings einen eindrucksvollen Auftakt schaffen. Bei bestimmten arabischen Feiern kann wiederum ein Stocktanz sehr gut zur Musik und Stimmung passen.

Orientalischer Bauchtanz ist heute international

Während meiner Karriere habe ich bei sehr unterschiedlichen Veranstaltungen getanzt: Hochzeiten, Geburtstagen, Henna-Abenden, Festivals, Messen, Sommerfesten, Firmenveranstaltungen, Mottopartys, Weihnachtsfeiern, Gartenpartys, in Restaurants und bei vielen weiteren Anlässen.

Auch international durfte ich Bühnenerfahrung sammeln. Ich wurde unter anderem für Gala-Veranstaltungen in der Schweiz und Frankreich gebucht, für eine Hochzeit nach Indien geflogen und trat im Nightlife in Dubai auf. In der Türkei habe ich außerdem in Restaurants und Hotels vor internationalem Publikum getanzt.

Dabei habe ich über die Jahre eine interessante Veränderung erlebt.

Früher wurde ich besonders häufig von türkischen, arabischen oder iranischen Familien gebucht. Heute ist das Publikum viel internationaler. Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft buchen orientalischen Bauchtanz für ihre Veranstaltungen.

Für mich zeigt das, dass diese Tanzkunst Menschen unabhängig von ihrer Herkunft begeistern kann.

Was macht für mich eine gute Bauchtänzerin aus?

Perfekt ist niemand. Jede Tänzerin hat ihre eigenen Stärken.

Meine persönlichen Stärken liegen vor allem in meinem Temperament, meiner Dynamik und im Umgang mit dem Publikum.

Über viele Jahre habe ich gelernt, einen Raum zu beobachten: Wie reagieren die Gäste? Wer möchte mitmachen? Wann braucht die Stimmung mehr Energie und wann sollte sich die Tänzerin zurücknehmen?

Bei einer gebuchten Veranstaltung geht es für mich nicht darum, mich selbst zu verwirklichen. Mein Ziel ist, dass die Gastgeber und ihre Gäste Spaß haben, mitgerissen werden und sich später gerne an die Show erinnern.

Bauchtanz: Kunst, Ausdruck und Leidenschaft

Manche Menschen verbinden Bauchtanz zunächst mit Sinnlichkeit und freizügigen Kostümen. Natürlich kann orientalischer Tanz sinnlich wirken. Für mich steht aber etwas anderes im Mittelpunkt.

Bauchtanz ist eine Kunstform.

Er bedeutet für mich Ausdruck, Musikalität, Körperbeherrschung, Eleganz und vor allem Leidenschaft.

Auch ich musste auf meinem persönlichen Weg Vorbehalte überwinden. In meinem familiären und kulturellen Umfeld wurde meine Entscheidung, professionell Bauchtanz zu machen, anfangs nicht von allen unterstützt.

Mir war deshalb immer wichtig zu zeigen, dass ich meinen Beruf ernst nehme und orientalischen Tanz als professionelle Kunstform ausübe.

Heute sehe ich, dass viele Menschen offener geworden sind und Bauchtanz zunehmend als das wahrnehmen, was er für mich seit Jahrzehnten ist: eine vielseitige Bühnenkunst, die Menschen zusammenbringen kann.

Orientalischen Bauchtanz live erleben

Tanz ist mein Leben und meine Leidenschaft. Wenn ich tanze, bin ich glücklich.

Das Schönste ist für mich jedoch, wenn diese Freude auf die Gäste überspringt. Wenn ich nach einer Show in glückliche Gesichter schaue und sehe, dass Menschen gemeinsam gelacht, getanzt und gefeiert haben, weiß ich, warum ich diesen Beruf ausübe.

Wer orientalischen Bauchtanz nicht nur lesen, sondern live erleben möchte, kann meine Bauchtanzshow für Hochzeiten, Geburtstage, Henna-Abende, Firmenfeiern und weitere Veranstaltungen in Köln und ganz NRW buchen.



Bauchtänzerin Bahar beim orientalischen Bauchtanz
Bauchtänzerin Bahar bei einer orientalischen Bauchtanzshow

 
 
 

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